• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

Schwarzstorch-Biotopschutz

"Steine schleppen für die Natur"

Naturschutz mit Verstärkung
Abb. 1: Naturschutz mit Verstärkung: Gerd Janssen
bei der Krückau-Aktion. Foto: Thomas Eisenkrätzer

Das gab es noch nie: 1000 Schüler und 75 Lehrer, alle vom Ludwig-Meyn-Gymnasium in Uetersen klauben Steine aus einem Acker, verfrachten die 13 Tonnen schwere Last in Eimer, Säcke und Taschen und tragen sie zur Krückau, um dem Bach ein Stück des natürlichen Kiesbetts zurückzugeben. So geschehen in Langeln bei Uetersen - offiziell "nur" ein Wandertag der Gymnasiasten, vor allem aber ein motivierender Beitrag zur Renaturierung der Fließgewässer, die die EU-Wasserrahmenrichtlinie jetzt verlangt.

Erstmal setzen, die Gummistiefel ausziehen. Die zwei Jungen sehen abgekämpft aus - und stolz. "17 Kilo bei der ersten Ladung. Jetzt haben wir Blasen an den Füßen", klärt einer auf. "Aber wir machen in normalen Schuhen weiter."

Gewimmel, soweit der Blick über das abgeerntete Maisfeld reicht. Mit neun Reisebussen, die zweimal fahren mussten, hat Direktor Michael Lohmann seine ganze Schule hierher kutschieren lassen. Jungen und Mädchen, 11 bis 20 Jahre alt, hocken auf der Erde und sammeln, was das Zeug hält - Steine mit vier bis sechs Zentimeter Durchmesser hierher, größere dorthin. Wer soviel hat, dass er es gerade tragen kann, macht sich auf den Weg. Ein halber Kilometer an der sich schlängelnden Krückau kann lang werden.

"Anja, hierher!" "Nee, erstmal nur kleine Steine." "He Maik, du hast Schuhgröße 41? Dann kriegst Du diese Wathose, die passt bis 41." "Geil, ich wollte sowieso gern im Bach arbeiten!" Dort, wo jetzt tausende Steine in der Krückau landen, herrscht Gedrängel und ansteckende Begeisterung. Sechs Meter lang ist das Stückchen Bach, das der Initiator der einmaligen Aktion, Deutschlehrer und Schwarzstorch-Experte Gerd Janssen, mit Schülern und Kollegium wieder so herrichten will, wie es ursprünglich einmal war. Wie vor Jahrzehnten, als der Bach noch nicht ausgebaggert war, als Flora und Fauna noch nicht ihrer natürlichen Funktion beraubt waren, als Forellen, Lachse und andere Fische laichten, als sich Krebse und Kleingetier zwischen Kieseln und dichtem Wurzelgeflecht der Erlen am Ufer tummelten.

Schwarzstorch-Biotop
Abb. 2: Steine und Geröll als Lebensraum für Krebse,
Wasserinsekten und Fische

Da rauschen die Steinchen in die Mitte des Bachbetts. Die größeren Brocken werden am Rand aufgeschichtet, um das Ufer enger zu gestalten und vor Abbruch zu schützen. "30 Zentimeter hoch muss die Sohle werden, am Rand brauchen wir 40 Zentimeter", erklärt Janssen. Die Träger schwitzen und folgen brav den Anweisungen der Mitschüler in Anglerhosen, die die Steinmassen korrekt verteilen.

Forstdirektor Hans-Albrecht Hewickler, der das Treiben zusammen mit Landrat Berend Harms und Vertretern des Landesamtes für Naturschutz in Augenschein nimmt, ist beeindruckt. "Das ist die beste Naturschutzarbeit überhaupt", schwärmt er. "Alle packen mit an und sehen gleich den Effekt."
In der Tat: Das Wasser strömt schon schneller als über den Sand. "Und wenn wir später nachschauen, werden wir Wassertiere finden, die sonst nicht da waren", verspricht Janssen. "So wird die symbolische Aktion, die sich unser Gymnasium zum 80. Geburtstag geschenkt hat, auch künftigen Gutachtern beispielhaft zeigen, wie ein Geestbach wirklich aussehen muss."

Cornelia Müller

...nach oben

 

Design by Projektgruppe Seeadlerschutz e.V.