Projekt Kranichschutz

Neue Lebensräume für den Kranich in Schleswig-Holstein

Brutbestandsentwicklung
Abb. 1: Brutbestandsentwicklung des Kranichs
in Schleswig-Holstein

Dass der Kranich in Norddeutschland heute nicht mehr als eine "vom Aussterben bedrohte Brutvogelart" eingestuft werden muss, ist zu allererst ein Erfolg einer konsequenten nationalen (zunächst in beiden deutschen Staaten) wie später internationalen Naturschutzarbeit für die Brut- und europaweiten Rast- und Überwinterungsgebiete. Die 1991 vom NABU und WWF begründete Projektgemeinschaft "Kranichschutz Deutschland" "überwacht" heute durch eine europaweite Zusammenarbeit von Kranichschützern und Organisationen die Einhaltung und Verbesserung europäischer Schutzstandards (u.a. EU-Vogelschutzrichtlinie). Daran hat auch Schleswig-Holstein mit seinem Kranichbestand am Westrand der Verbreitung einen wichtigen Anteil.

Als der WWF 1972 in enger Zusammenarbeit mit der staatlichen Vogelschutzwarte Schleswig-Holstein das Kranichprojekt begann, wurden nach sorgfältigen Untersuchungen nur noch neun Paare im äußersten Osten unseres Landes festgestellt, deren Bruten zumeinst gestört wurden. Herausforderung genug, dass sich Naturschutzpraktiker, Naturschutzbehörden (deren Etablierung gerade began), Förster und aufgeschlossene Grundeigentümer zu einer Projektgruppe Kranichschutz zusammenfanden. Die Gebiete wurden überwacht und erste Wiedervernässungsmaßnahmen zunächst mit einfachen Mitteln, später auch über Geländeaufkäufe und umfangreiche Feuchtgebietsrenaturierungen umgesetzt. Im Verlauf der über 30-jährigen Projekarbeit stieg der Kranichbestand in Schleswig-Holstein von neun (1972) auf 275 Paare (2007) an (Abb. 1).

Sumpfdotterblumen
Abb. 2: Die Sumpfdotterblume (Caltha palustris) ist eine
Charakterart nasser Erlenbruchwälder

Von der Verbesserung der Lebensräume für die Leitart Kranich profitierten aber auch viele andere Pflanzen- und Tierarten wie z.B. Wasserfeder, Sumpfdotterblumen, Waldwasserläufer, Moorfrösche und diverse ans Wasser gebundene Insektenarten. Viele dieser ehemaligen Renturierungsgebiete sind heute als Naturschutzgebiete ausgewiesen (z.B. NSG Hevenbruch, NSG Oldenburger See) und / oder gemeldete NATURA 2000-Gebiete (z.B. SPA Waldgebiete in Lauenburg, SPA Schaalsee-Gebiet).

Mit dem Brutbestandsanstieg entwickelten sich in geeigneten, ganzjährigen mit Flachwassern versehenen Feuchtgebieten mit bis 1.000 Exemplaren (z.B. NSG Oldenburger See), die aufgesucht werden, bevor der Abzug der Vögel Ende Oktober, Anfang November in die französischen und spanischen Überwinterungsquatiere beginnt.
In milden Wintern verbleiben aber auch Einzelpaare oder kleine Gruppen im Lande.

Der bisherige Brutbestandsanstieg des Kranichs erfolgte überwiegend im östlichen und mittleren Schleswig-Holstein, da hier vielfältige Bruchwälder z.T. auf engem Raum renaturiert werden konnten und der vergleichsweise gute Bruterfolg weitere Neuansiedelungen begünstigte. Über die Populationsreserven besteht nun eine Chance, dass bei ausreichenden Feuchtgebietsrenaturierungen diese eindrucksvolle Vogelart wieder in ganz Schleswig-Holstein heimisch wird.