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Start Informationen Bestandsentwicklung Brutbericht 2016 (SH)

Brutbericht 2016

Bestandsentwicklung

Im Jahr 2016 waren in Schleswig-Holstein 98 Seeadlerreviere besetzt. Im Vergleich zum Vorjahr gab es fünf Neuansiedlungen (Depenau/ PLÖ, Schackendorf/SE, Mildstedt/NF, Tetenbüll/ NF und Poppenbüll/NF) von denen nur das Paar in Schackendorf erfolgreich gebrütet hat. Die Ansiedlung am Hansdorfer See/RD wurde nachträglich ab 2015 ergänzt. Insgesamt gab es 10 Revierpaare, von denen zwar ein Neststandort bekannt geworden ist, die aber nach unseren Beobachtungen nicht mit einer Brut begonnen haben. Die Gründe für den ausbleibenden Brutbeginn sind vielfach nicht bekannt und nur in Einzelfällen durch den Tod eines der Brutpartner und eine nachfolgend neue Paarbindung erklärbar. Hinzu kommen vier Seeadlereviere, die in 2016 als „verwaist“ gewertet werden müssen, weil von den Seeadlern keine Sichtnachweise an den uns bekannten Horsten vorliegen (Frestedt/HEI, Horst/IZ, Bahrenfleth/IZ und Krummsee/OH). Im Einzelfall könnten diese Reviertraditionen im Folgejahr von uns wieder bestätigt werden. Im Revier Frestedt/HEI ist dies aufgrund der Vergiftung der gesamten Seeadlerfamilie in 2015 aber unwahrscheinlich. Bestandsentwicklung_2016

Für das Verschwinden des Seeadlerpaares an der A 23 bei Horst/IZ gibt es nach dem erfolglosen Brutversuch in 2015 bislang keine schlüssige Erklärung. Im Frühjahr 2016 begannen 88 Paare mit einer Brut, davon brüteten 76 Paare erfolgreich, so dass im Juli insgesamt 121 junge Seeadler flügge wurden. Die Verteilung der Jungenzahl pro Horst erbrachte folgendes Bild: 2 x 3, 41 x 2 Jungvögel und 33 x 1 Jungvogel. Bezogen auf die Anzahl der bekannten Revierpaare wurden 1,2 Junge pro Revierpaar flügge.

 

Verbreitung

Aufgrund der naturräumlichen Ausstattung liegt der Schwerpunkt der Seeadlerverbreitung in der gewässerreichen holsteinischen Jungmoränen- Landschaft. In den Landkreisen Plön (PLÖ) und Segeberg (SE) hat sich der Bestand durch Neuansiedlungen verdichtet. Zudem sind am westlichen Rand des schleswig-holsteinischen Vorkommens in Nordfriesland (NF) drei neue Ansiedlungen hinzugekommen.

Die Seeadlervorkommen verteilen sich auf 12 Landkreise:

Seeadlerkarte_2016k

Kreis  Paare   Kreis Paare
PLÖ 23   NF 7
OH 15   IZ 4
RD 15   HEI 4
RZ 10   OD 2
SL 7   PI 2
SE 8   HL 1

Tab.: Vorkommen des Seeadlers in den verschiedenen Kreisen (n=98 Rev.).

GEFÄHRDUNG UND SCHUTZ

Insgesamt waren 12 % der begonnenen Bruten erfolglos. Die Ursachen für die Brutverluste in Schleswig-Holstein sind unterschiedlich und waren in mindestens zwei Revieren durch den Absturz des Horstes bei Sturmlage begründet. In diesen Revieren wurden später Eischalenreste oder tote Junge unter dem Horstbaum gefunden. Im Revier Mildstedt/NF wurde um den 30. November 2015 der Horstbaum eines neuen Seeadlerpaares von einem unbekannten Täter umgesägt. Das Paar siedelte daraufhin auf einen neuen Horstbaum um. Regionale Naturschützer sehen einen mutmaßlichen Zusammenhang mit der Planung von Windenergieanlagen in der Umgebung. Nach den Vergiftungsfällen und mehreren erfolglosen Bruten in 2015 im Kreis Dithmarschen, gab es in diesem Jahr im Kreisgebiet erstmalig vier erfolgreiche Seeadlerbruten. Dies kann als Erfolg für den verbesserten Schutz an den einzelnen Horststandorten und der Aussetzung einer Belohnung in Höhe von 5.000 Euro durch die Umweltstiftung WWF Deutschland gewertet werden. Im Revier Dobersdorf/PLÖ wurde am 25. März 2016 das Seeadlermännchen tot an den Kasseteichen aufgefunden. Das Weibchen brütete noch einige Tage alleine und gab dann die Brut auf. Das tote Männchen trug einen farbigen Jahresring und wurde demnach 1982 beringt. Der Vogel verstarb somit im Alter von 34 Jahren und war langjähriger Brutvogel im Revier Dobersdorf.

Bernd Struwe-Juhl & Volker Latendorf



 

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