Erste erfolgreiche Fischadlerbrut in Schleswig-Holstein

Am 28. und 29. Juli 2014 flogen im Naturpark Lauenburgische Seen an einem See bei Mölln drei junge Fischadler aus. Nach Literaturangaben ist dies die erste erfolgreiche Brut in Schleswig-Holstein nach circa 130 Jahren (vgl. Looft & Busche 1981). Damit ist der Fischadler erfolgreich als neue Brutvogelart nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt.

Die Ankunft der Altvögel erfolgte um den 6. April 2014 und der Brutbeginn lag um den 25. April. Schon vor Brutbeginn stellte die zuständige Kreisforstverwaltung sicher, dass Forst- und Jagdbetrieb frühzeitig eingestellt und die zuführenden Wege gesperrt wurden. Denn bereits im Jahr 2013 hatte am selben Horststandort ein Fischadlerpaar mit dem Nestbau begonnen, dann aber nicht gebrütet.

Der Horst befindet sich, gestützt durch eine kleine zusätzliche hölzerne Plattform, die bereits 1993 von Mitarbeitern des WWF Mölln errichtet wurde, auf einer jetzt trockenen Moorkiefer (Pinus sylvestris) in ungefähr 15 Metern Höhe.

Fischadler rüttelt TP
Jünger Fischadler im Rüttelflug (Foto: Tim Peukert)

Die Fischadlerfamilie hielt sich noch bis mindestens zum 28. August in der unmittelbaren Horstumgebung auf, wo die Jungadler mit ihrem eindrucksvollen Bettelflugverhalten beobachtet werden konnten.
Zur Herkunft der Altvögel können keine Angaben gemacht werden, da beide Vögel unberingt waren. Der Fund einer inneren Handschwinge im Juli 2013 belegt, dass zumindest einer der Altvögel noch jung war.

Der Naturpark Lauenburgische Seen ist aufgrund seiner gewässer- und waldreichen Ausstattung für die Ansiedlungen von Fischadlern besonders geeignet. Deshalb wurden bereits in den Jahren 2011 und 2012 mit finanzieller Förderung des MELUR durch Mitarbeiter der Projektgruppe Seeadlerschutz zwei weitere Fischadler-Nisthilfen auf Kiefern in der Region montiert. Ziel ist es, potentielle Fischadlerbrutpaare zu einer Ansiedlung auf Baumhorsten zu veranlassen. Auf eine Anbringung von Kunsthorsten auf Hochspannungsmasten, wie sie in anderen Bundesländern praktiziert wird, wurde dabei verzichtet, um den Aufbau einer Baumbrüterpopulation bewusst zu fördern.

Bereits am 22. April 2010 wurde ein adulter Fischadler nahe des jetzigen Brutstandortes aus dem Abwehrnetz an einer Fischteichanlage vom zuständigen Fischer befreit und der Vogelpflegestation im Möllner Wildpark übergeben. Der Fischadler konnte wenig später nach seiner Genesung am 5. Mai 2010 wieder in die Freiheit entlassen werden.

Über den genauen Brutort wurde vorerst Stillschweigen vereinbart, um zusätzlichen Besucherverkehr zu verhindern und mögliche Störungen einzugrenzen. Die Fischadler sind im Horstbereich durchaus störungsempfindlich, was auch an einzelnen exponierten Horststandorten in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet werden kann. Der Horststandort im Naturpark Lauenburgische Seen ist lokal bereits bekannt und deshalb wurde durch die Kreisforstbehörde im Rahmen der Naturschutzgebietesverordnung eine Kernzone mit Betretungsverbot ausgewiesen.

Thomas Neumann und Bernd Struwe-Juhl