Zur aktuellen Situation des Seeadlers in Österreich (2015)

Ähnlich wie in vielen anderen Gebieten Mitteleuropas ist die Bestandsentwicklung des Seeadlers auch in Österreich positiv. Wie aus Abb. 1 ersichtlich, brüteten 2015 24 Paare auf Bundesgebiet. Wegen der schwierigen Erfassbarkeit einiger Regionen, v. a. der ausgedehnten Koniferenwälder des Waldviertels, ist mit einem tatsächlichen Brutbestand von  25 bis 30 Paaren zu rechnen. Der Anteil erfolgreicher Paare betrug in diesem Jahr 62,5 %. Der Gesamtbruterfolg lag bei 1,00 Junge pro Paar und die Brutgröße bei 1,60 Jungadler pro erfolgreichem Paar. Damit hat der Seeadler die meisten der für ihn geeigneten Gewässer östlich der Alpen besiedelt. Die Art ist auf dem besten Weg, die 30 bis 50 in einer Diplomarbeit für Österreich modellierten Brutpaare auch tatsächlich zu realisieren! Ein weiteres Ansiedelungspotential besteht vor allem noch im Waldviertel, an der Donau westlich von Wien und in diversen Teichgebieten. Bemerkenswert war 2015 eine Brut im östlichen Weinviertel, wobei der als Horstwald genutzte Robinienhain mitten in einer ausgedehnten, niederwildreichen Agrarlandschaft - ohne jeglichem Zugang zu einer Wasserfläche - lag.

Populationsentwicklung Oesterreich
 Abb. 1: Brutbestandsentwicklung des Seeadlers in Österreich seit der Wiederbesiedlung in den späten 1990er Jahren (nach Probst 2009, aktualisiert).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus dem Winterhalbjahr kann man von 188 Seeadlern berichten, welche sich bei der Synchronzählung im Januar 2015 in Österreich und den unmittelbar angrenzenden Gebieten der Nachbarländer aufhielten (Abb. 2). Man kann davon ausgehen, dass etwa 140 Adler (75 %) regelmäßig bis überwiegend in Österreich anwesend sind.
Darüber hinaus wurde schon im Jahr 2014 im Rahmen des Projekts DANUBEPARKS Step 2.0 (www.danubeparks.org) unter der Leitung des Nationalparks Donau-Auen erstmals eine donauweite Winterzählung der Seeadler durchgeführt. Dabei konnten rund 700 Seeadler erfasst werden, eine entsprechende Publikation ist zwischenzeitlich erschienen (Probst et al. 2014).   

Winterbestand Oesterreich
Abb. 2: Langzeitentwicklung der Seeadler-Winterbestände in Österreich. Weiße Säulen stellen Jahre ohne Synchronzählungen, also reine Auswertungen von Zufallsbeobachtungen, dar. Mischfarbige Säulen markieren Jahre mit Synchronzählungen, wobei aber, bedingt durch Schlechtwetter oder der Erfassung in nicht allen Verbreitungszentren, nur ein unvollständiger Datensatz für Österreich vorliegt. Rote Balken markieren eine vollständige Erhebung mittels Synchronzählungen aller wesentlichen Überwinterungsgebiete (Donau-March-Thaya-Auen und nördliches Burgenland) bei guten Sichtbedingungen.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Beringung von Jungvögeln wurde weitergeführt, wobei die Fernfunde ab- bzw. einwandernder Adler aus Abb. 3 ersichtlich werden. Vereinfacht kann man sagen, dass sich in Mitteleuropa ein breiter, ungerichteter Austausch von Dispersionswegen abzeichnet, es aber auch gerichtete Pendelzüge aus dem Baltikum, dem nordöstlichen Fennoskandien und aus dem Bereich der russischen Kola-Halbinsel gibt.

Seeeadler Karte k

Abb. 3:

Fernfunde von in Österreich beringten bzw. wiedergefundenen Seeadlern. Rotes Dreieck = Beringungort, grüner Punkt = Ort des Wiederfunds. Die schwarze Linie verbindet nur Beringungsort und Wiederfundort innerhalb einer Saison bis zum 1. April des Folgejahres nach der Beringung (nach M. Schmidt, Quelldaten: Vogelwarte Radolfzell & EURING, Stand: 20. Juli 2015)

  



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


2015 wurde erstmals für Österreich mit der Satellitentelemetrie von Seeadlern begonnen. In Kooperation mit dem Nationalpark Donau-Auen konnten zwei Jungadler besendert werden. Der männliche Jungadler „Rudolph“ zog über Budapest bis in die Gegend des Nationalparks Hortobágyi in Ostungarn. Leider verliert sich dort Ende August seine Spur und aufgrund der Umstände kann ein illegaler Eingriff nicht ausgeschlossen werden. Die Dispersionswege des Weibchens „Sophie“ führen in die Slowakei, nach Tschechien und schließlich in die Oberlausitz (Stand: 27. August 2015; vgl. Abb. 4). Es ist geplant in den nächsten Jahren das Besenderungsprogramm fortzusetzen. Ausbreitungswege und die Habitatnutzung sollen erfasst, aber nicht zuletzt Mortalitätsursachen untersucht werden.  

Seeadler Wanderung
 Abb. 4: Dispersionswege der beiden im Nationalpark Donau-Auen geborenen Seeadler „Sophie“ und „Rudolph“ (Stand: 27. August 2015). Karte: C. Pichler / WWF Österreich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





Remo Probst & Christian Pichler
WWF Österreich

Probst, R. (2009): Der Seeadler (Haliaeetus albicilla) in Österreich: Das WWF Österreich Seeadlerprojekt. Denisia 27: 29-50.
Probst, R., L. Bodega, D. S. Bandacu, M. Bohuš, S. Cheshmedzhiev, Á. Gábork, S. Geissler, C. V. Hodor, D. T. Ionescu, V. Koev, T. Mikuska, Z. Nagy, T. Parrag, V. Rožac, M. Schmidt, T. Schneider, M. Šćiban, S. Tatai, E. Todorov, M. Tucakov, M. Váczi & G. Frank (2014): The first comprehensive estimate of winter population of the White-tailed Eagle Haliaeetus albicilla along the Danube. Acrocephalus 35: 115-123.  

Der Fischadler (Pandion haliaetus) in Mecklenburg-Vorpommern

Bestandsentwicklung

Der Fischadler war noch bis in die 2. Hälfte des 19. Jh. hinein in Mecklenburg-Vorpommern ein nicht seltener Brutvogel, aufgrund starker Verfolgung nahm sein Bestand jedoch stark ab. Nach Wüstnei & Clodius (1900) kam er zum Ausgang des 19. Jh. in Mecklenburg sowohl an der Küste als auch an den Seen des Binnenlandes vor. Ein häufiger Brutvogel war er jedoch offensichtlich nicht, wie aus der Anmerkung der Autoren: „Bei seiner Seltenheit dürfte jedoch der Schaden, den er der Fischerei zufügt, nicht von großer Bedeutung sein.“ geschlussfolgert werden kann. Im vorpommerschen Raum war der Fischadler zum Beginn des 20. Jh. ebenso bereits selten geworden. Brutplätze waren auf dem Darß und am Oderhaff bekannt (Hübner 1908).
Im Jahr 1934 waren in Mecklenburg lediglich 20 Brutpaare heimisch, der Gesamtbestand auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns dürfte bei 25-30 BP gelegen haben (Kuhk 1939, Klafs 1987, Köhler 1995). Aufgrund des nun gegebenen Schutzes erholte sich der Bestand, 1955 brüteten auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns wieder 67 Paare. Allerdings nahm der Bestand schon ab Mitte der 1950er Jahre infolge des Einsatzes von chlororganischen Insektiziden (insbesondere DDT und dessen Metabolite) und PCB wieder ab.

Brutbestand MV
Brutbestandsentwicklung des Fischadlers in Mecklenburg-Vorpommern

Insbesondere das DDT-Abbauprodukt p,p‘-DDE führte zu einer Verminderung der Eischalendicke und Erhöhung der Embryonensterblichkeit mit stark negativen Auswirkungen auf den Reproduktionserfolg und die Entwicklung der Population (Weber et al. 2003). Im Jahr 1975 wurde in Mecklenburg-Vorpommern mit 37 BP ein erneutes Bestandstief erreicht (Köhler 1995). Mit der zunehmenden Einschränkung des DDT-Einsatzes in Europa und auch in der DDR ab Beginn der 1970er Jahre und schließlich dem endgültigen Verbot setzte schon gegen Ende der 1970er Jahre eine Bestandszunahme des Fischadlers ein, die bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt anhält. (Abb. 1). Reproduktionsziffern und die Zahl ausgeflogener Jungen nahmen ab Mitte der 1980er Jahre wieder deutlich zu (Köhler 1995). Untersuchungen zur Belastung von Fischadlereiern mit chlororganischen Rückständen und PCB in den 1990er Jahren zeigten, dass diese stark abgenommen und nur noch geringe Auswirkungen auf den Reproduktionserfolg hatten (Weber et al. 2003). Im Jahr 2016 brüteten in Mecklenburg-Vorpommern erstmals wieder mehr als 200 Paare.
Mit der Zunahme des Fischadlers in seinen Kernverbreitungsgebieten im Nordosten Deutschlands (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) kam es auch zu einer Arealausdehnung in südliche und westliche Richtungen. Die Bundesländer Sachsen, Sachsen–Anhalt und Bayern wurden schon in den 1990er Jahren wiederbesiedelt, Niedersachsen und Thüringen in den Jahren 2004 bzw. 2009 (Schmidt 2010). Im Jahr 2014 brütete der Fischadler erstmalig auch wieder in Schleswig-Holstein. Nach Dänemark kehrte der Fischadler bereits 1998 zurück, der Brutbestand blieb jedoch auf niedrigem Niveau (1-5 BP, Nyegaard et al. 2014; Jørgenson & Nyegaard 2016).

Brutverbreitung

Die höchste Siedlungsdichte erreicht der Fischadler in der gewässerreichen Landschaftszone „Höhenrücken und Mecklenburgische Seenplatte“. Auch das „Rückland der Seenplatte“ ist teilweise recht dicht besiedelt, insbesondere im Umfeld des Malchiner und Kummerower Sees sowie des Tollense-Sees. Das Vorpommersche Flachland beherbergt in seinem südwestlichen Bereich einige Brutplätze, insbesondere im Umfeld des Galenbecker und Putzarer Sees.

Verbreitung MVDie aktuelle Brutverbreitung des Fischadlers entspricht nach wie vor nicht der historischen Brutverbreitung. Die Ausdehnung des Brutareals erfolgt sehr zögerlich. Der Küstenraum, in welchem es vor dem DDT-Einsatz eine Reihe von Brutplätzen gab, ist gegenwärtig noch unbesiedelt. Auf dem Darß fand Kuhk (1939) z.B. 1923 und 1925 mindestens 15-16 besetzte Horste, 1935 brüteten hier noch 3-4 Paare. Um 1956 waren auf dem Darß und in der Rostocker Heide 15 BP bekannt. Bis 1970 waren jedoch alle Küstenbrutplätze aufgegeben. Gegenwärtig weisen einige Ansiedlungen im Raum Wismar bzw. südlich von Rostock auf eine Ausbreitungstendenz in Richtung Küste hin. Oftmals sind diese küstennahen Ansiedlungen jedoch nur von kurzer Dauer, wie z.B. ein Brutversuch südlich von Velgast im Jahr 2014 sowie Ansiedlungen im unteren Peenetal bei Görke (2013) bzw. Kamp (2013-2015) (Abb. 2).
Auch die Ausdehnung in Richtung Westen erfolgt recht zögerlich. Der Schaalseebereich ist nach wie vor unbesiedelt. Im Jahr 2014 entstand ein Brutplatz in der Lauenburgischen Seenplatte bei Mölln (Schleswig-Holstein). Dieser war zwar auch in den Folgejahren bis einschließlich 2017 besetzt, es folgten bislang jedoch noch keine weiteren Ansiedlungen.

Nistplätze

Die Mehrzahl der Fischadlerbrutplätze in Mecklenburg-Vorpommern (81,4%; n=307 besetzte Brutplätze zwischen 2003 und 2016) befindet sich auf Masten der Energieversorgungunternehmen, sonstigen Masten oder künstlichen Strukturen, nur 18,6 % auf Bäumen. Der Anteil von Brutplätzen auf Bäumen ist abnehmend. Im Jahr 2003 brüteten noch 19,2 % der Adler auf Bäumen, 2016 waren es nur noch 8,4 %. Bei den Masten überwiegen solche von Hochspannungsleitungen von 110 kV, gefolgt von 20 kV Mittelspannungsleitungen. Offensichtlich aufgrund des starken elektromagnetischen Feldes werden 380 kV-Masten weitgehend gemieden. Die Masten von stromfreien 380 kV-Leitungen werden hingegen besiedelt (z.B. 380 kV Überlandleitung des KKW Lubmin nach Abschaltung des Kraftwerks).

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Ein adulter Fischadler bringt seinen Jungen frische Beute. (Foto: Peter Wernicke)

Bei Brutansiedlungen auf Masten, die von Energieversorgungsunternehmen als problematisch angesehen werden, wird in der Regel eine Umsetzung des Nestes auf einen Kunsthorst genehmigt. Dazu werden von dem Energieversorgungs-unternehmen in unmittelbarer Nähe zum ursprünglichen Standort Masten mit einer Horstunterlage errichtet.
Bei den Baumarten, die vom Fischadler besiedelt werden, überwiegt mit 72 % die Kiefer. Nach Untersuchungen von Meyburg et al. (1995) ist der Bruterfolg auf Gittermasten höher als auf Bäumen. Im Hinblick auf die Zahl der ausgeflogenen Jungen pro erfolgreiches Brutpaar bestehen zwar keine Unterschiede zwischen den beiden Neststandorttypen, wohl aber im Hinblick auf die Bruterfolgsrate. Nester auf Bäumen unterliegen einem höheren Absturzrisiko und sind außerdem offenbar für Prädatoren leichter erreichbar.

Bruterfolg

In den 1970er Jahren waren die Bruterfolgsparameter noch deutlich vermindert. So betrug die durchschnittliche Brutgröße im Zeitraum 1970-1979 1,79 (Klafs 1987). Ab den 1980er Jahren war ein zunehmender Anteil von Dreierbruten – bei gleichzeitiger Abnahme der Einer- und Zweierbruten feststellbar. Die Brutgröße stieg auf 2,1 juv. im Zeitraum 1980-84, seit 1990 liegt sie im Mittel bei 2,3.
Im Zeitraum 1990-2010 zeigen alle drei Bruterfolgs-Parameter eine hohe Konstanz ohne signifikante Trends. Dies bestätigt die Ergebnisse von Weber et al. (2003), dass schon zu Beginn der 1990er Jahre die Belastung mit chlororganischen Rückständen unterhalb der Konzentrationen lagen, die Auswirkungen auf den Reproduktionserfolg haben.
Die durchschnittliche Bruterfolgsrate lag im Zeitraum 1990-2016 bei 0,8 Juv pro Brutpaar. Pro erfolgreichem Brutpaar flogen 2,31 Juv. aus. Bezogen auf alle Bruten lag die Jungenzahl im Durchschnitt bei 1,84 Juv.

 

Literatur:
Hübner, E. (1908): Avifauna von Vorpommern und Rügen. Verlag Theodor O. Weigel, Leipzig.
Jørgenson, M.F. & T. Nyegaard (2016): Projekt Truede og Sjældne Ynglefugle 2013-17. Neuigkeitenbrief, Dezember 2016:
Klafs, G. (1987): Fischadler – Pandion haliaetus (L., 1758). In: Klafs, G. & J. Stübs (Hrsg.): Die Vogelwelt Mecklenburg. Fischer-Verlag Jena: 157-158.
Köhler, W. (1995): Der Brutbestand des Fischadlers Pandion haliaetus in Mecklenburg-Vorpommern. Vogelwelt 116: 177-179.
Kuhk, R. (1939): Die Vögel Mecklenburgs. Opitz & Co. Güstrow.
Meyburg, U., O. Manowsky & C. Meyburg (1995): Bruterfolg von auf Bäumen bzw. Gittermasten brütenden Fischadlern Pandion haliaetus in Deutschland. Vogelwelt 116: 219-224.
Nyegaard, T., H. Meltofte, J. Tofft & M.B. Grell (2014): Truede og sjældne ynglefugle i Danmark 1998-2012. Dansk Ornitol. Foren. Tidsskrift 108.
Roepke, D. (1996): Fünfzehn Jahre Beringungsarbeit am Fischadler (Pandion h. haliaetus). Naturschutzarb. MV 39: 22-35.
Schmidt, D. (2010): Der Brutbestand des Fischadlers Pandion haliaetus in Deutschland im frühen 21. Jh. Charadrius 46: 10-17.

Weber, M., D. Schmidt & J. Hädrich (2003): Chlororganische Rückstände in Eiern des Fischadlers (Pandion haliaetus) aus Deutschland. J. Ornithol. 144: 45-58.
Wüstnei, C. & G. Clodius (1900): Die Vögel der Großherzogthümer Mecklenburg. Opitz & Co Güstrow.

 

Christof Herrmann, Wolfgang Köhler & Dietrich Roepke

Erste erfolgreiche Fischadlerbrut in Schleswig-Holstein

Am 28. und 29. Juli 2014 flogen im Naturpark Lauenburgische Seen an einem See bei Mölln drei junge Fischadler aus. Nach Literaturangaben ist dies die erste erfolgreiche Brut in Schleswig-Holstein nach circa 130 Jahren (vgl. Looft & Busche 1981). Damit ist der Fischadler erfolgreich als neue Brutvogelart nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt.

Die Ankunft der Altvögel erfolgte um den 6. April 2014 und der Brutbeginn lag um den 25. April. Schon vor Brutbeginn stellte die zuständige Kreisforstverwaltung sicher, dass Forst- und Jagdbetrieb frühzeitig eingestellt und die zuführenden Wege gesperrt wurden. Denn bereits im Jahr 2013 hatte am selben Horststandort ein Fischadlerpaar mit dem Nestbau begonnen, dann aber nicht gebrütet.

Der Horst befindet sich, gestützt durch eine kleine zusätzliche hölzerne Plattform, die bereits 1993 von Mitarbeitern des WWF Mölln errichtet wurde, auf einer jetzt trockenen Moorkiefer (Pinus sylvestris) in ungefähr 15 Metern Höhe.

Fischadler rüttelt TP
Jünger Fischadler im Rüttelflug (Foto: Tim Peukert)

Die Fischadlerfamilie hielt sich noch bis mindestens zum 28. August in der unmittelbaren Horstumgebung auf, wo die Jungadler mit ihrem eindrucksvollen Bettelflugverhalten beobachtet werden konnten.
Zur Herkunft der Altvögel können keine Angaben gemacht werden, da beide Vögel unberingt waren. Der Fund einer inneren Handschwinge im Juli 2013 belegt, dass zumindest einer der Altvögel noch jung war.

Der Naturpark Lauenburgische Seen ist aufgrund seiner gewässer- und waldreichen Ausstattung für die Ansiedlungen von Fischadlern besonders geeignet. Deshalb wurden bereits in den Jahren 2011 und 2012 mit finanzieller Förderung des MELUR durch Mitarbeiter der Projektgruppe Seeadlerschutz zwei weitere Fischadler-Nisthilfen auf Kiefern in der Region montiert. Ziel ist es, potentielle Fischadlerbrutpaare zu einer Ansiedlung auf Baumhorsten zu veranlassen. Auf eine Anbringung von Kunsthorsten auf Hochspannungsmasten, wie sie in anderen Bundesländern praktiziert wird, wurde dabei verzichtet, um den Aufbau einer Baumbrüterpopulation bewusst zu fördern.

Bereits am 22. April 2010 wurde ein adulter Fischadler nahe des jetzigen Brutstandortes aus dem Abwehrnetz an einer Fischteichanlage vom zuständigen Fischer befreit und der Vogelpflegestation im Möllner Wildpark übergeben. Der Fischadler konnte wenig später nach seiner Genesung am 5. Mai 2010 wieder in die Freiheit entlassen werden.

Über den genauen Brutort wurde vorerst Stillschweigen vereinbart, um zusätzlichen Besucherverkehr zu verhindern und mögliche Störungen einzugrenzen. Die Fischadler sind im Horstbereich durchaus störungsempfindlich, was auch an einzelnen exponierten Horststandorten in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet werden kann. Der Horststandort im Naturpark Lauenburgische Seen ist lokal bereits bekannt und deshalb wurde durch die Kreisforstbehörde im Rahmen der Naturschutzgebietesverordnung eine Kernzone mit Betretungsverbot ausgewiesen.

Thomas Neumann und Bernd Struwe-Juhl

Der Fischadler als Baumbrüter in Niedersachsen

Im Jahr 1991 ist der Fischadler nach über 40-jähriger Vakanz in Niedersachsen (Ausnahmejahr 1963) wieder heimisch geworden. Auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Hohne baute das Paar auf einem Kiefernüberhälter einen Horst, auf dem drei Jungvögel flügge wurden. Bis heute sind an diesem Brutplatz bei sechs Unterbrechungen (durch Horstabstürze und ungeklärte Brutverluste) 44 Jungvögel ausgeflogen. Vor der Jahrtausendwende wurden weitere Fischadlervorkommen aus den Gebieten Polder Bramel, Salzgitter, Eschede und Landkreis Gifhorn gemeldet. Die Angaben über Horststandorte und Bruterfolge waren jedoch z.T. recht lückenhaft. Mit Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz in Niedersachsen“ (AAN) im Jahr 2000 wurden in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Vogelwarte, ehrenamtlichen Adlerbetreuern, Forstämtern und Waldbesitzern die Vorkommen von See- und Fischadler systematisch erfasst und Schutzmaßnahmen eingeleitet.
Die erste deutliche Zunahme der niedersächsischen Fischadlerpopulation zeigte sich in 2004 mit vier nachgewiesenen Bruten: Bergen-Hohne, im Kreis Gifhorn und im Bereich Salzgitter mit jeweils 2 Jungen auf Kiefernaturhorsten, und am Dümmer (1Junges) auf dem ersten niedersächsischen Masthorst auf einer Hochspannungsleitung.
Beobachtungen jagender und Fische transportierender Fischadler an den großen Fischteichgebieten in der Südheide in den Monaten Mai bis Juli und dann den Altvögeln mit Bettelrufen folgende Jungvögel ließen vermuten, dass diese bereits in der Umgebung schon groß gezogen worden waren. Horstsuchaktionen in den An- und Abflugschneisen der Altvögel hatten jedoch keinen Erfolg. Nach rund 10 Jahren, im Juni 2012, wurde in einem versumpften Bachtal, in dem viele abgestorbene Altkiefern lagen und wenige noch standen, ein Naturhorst auf einer toten Altkiefer durch Zufall gefunden (s. Foto 1 ? einfügen ). Dort könnten schon jahrelang Bruten stattgefunden haben, denn die Flüge der Fischadler hatten wir einem anderen wesentlich weiter entfernten Brutvorkommen zugeordnet. Es waren zwei Altvögel, aber keine Jungvögel auf dem Horst. Da diese tote Kiefer mit dem Naturhorst am Stammfuß erhebliche Faulstellen hatte und wohl keine weitere Brutsaison überstanden hätte, zumal auch der Horst eine Schieflage hatte, wurde in circa 80 Metern Abstand eine gesunde, die Nachbarbäume überragende Altkiefer mit einer Nistplattform bestückt. Sie wurde im Folgejahr von den Adlern angenommen und weiter ausgebaut. 2013 wurde dort ein Jungvogel flügge. 2014 kam es durch Waldarbeiten in circa 150 Metern Entfernung zum Brutabbruch.

NDS Foto 09
Fischadler am Horst in der Südheide (Foto: Eckhard Bühring)

Da der traditionelle Naturhorst in Bergen-Hohne wiederholt abstürzte, so auch wie andere Naturhorste 2007 beim Orkan „Kyrill“, wurde auf einer besonders hohen Kiefer im Nahbereich eine Nistunterlage angebracht, auf der seither alljährlich Bruten stattfinden. Auch im nördlichen Landkreis Gifhorn musste ein seit 2004 bekannter Naturhorst auf einer mächtigen Kiefer nach Kyrillschäden vor dem Absturz bewahrt und wieder stabilisiert werden.

Tief greifend ist der Verlust eines 2012 erfolgreichen Brutvorkommens mit zwei flügge gewordenen Fischadlern auf einem Kiefernhorst in der Nordheide, etwa 80 km entfernt von den nächsten Brutvorkommen in der Südheide. Da brutwillige junge Fischadlerpaare sich vornehmlich in Gebieten ansiedeln, in denen sie aufgewachsen sind, hatte diese Neuansiedlung eine besondere Bedeutung als wichtiger Vorposten für die weitere Besiedelung Niedersachsens. Der Naturhorst stürzte im gleichen Jahr nach dem Ausfliegen der Jungvögel ab. Das Paar begann dann im Frühjahr 2013 mit dem Bau eines neuen Horstes. Eine offensichtliche Störung führte aber zum Brutabbruch. Der Vorschlag zum Bau eines Kunsthorstes auf diesem oder einem Nachbarbaum wurde von der zuständigen Forstverwaltung abgelehnt: ein Unikum unter Forstbehörden, die sich in der Regel aufgeschlossen für derlei Schutzmaßnahmen zeigen. Von April bis Mitte Juni 2014 hielt sich ein Fischadlerpaar ohne Anzeichen einer Brut im Nahrungsrevier auf. Es ist nun zu befürchten, dass diese Neuansiedelung einmalig war.
Diese Beispiele zeigen die Kurzlebigkeit von natürlich errichten Horsten: statistisch gesehen liegt sie bei ± 2 Jahren. Das Anbringen von künstlichen Nistplattformen ist für die Zunahme des Brutbestandes somit entscheidend. In Horsten auf Plattformen sind der Bruterfolg und die Reproduktionsraten deutlich höher als in natürlich errichteten Horsten. Vor allem Erstbrüter profitieren von den durch Adlerschützer angelegten Plattformen davon, weil dadurch das Angebot an geeigneten Brutmöglichkeiten erhöht wird.

 Verbreitung NDS
Brutverbreitung des Fischadler in Niedersachsen 2014

Im Jahr 2014 siedelten 14 Fischadler-Brutpaare in Niedersachsen. Von diesen hatten 11 Paare Bruterfolg, es flogen insgesamt 30 Jungvögel aus. Erfreulich dabei ist u.a. eine Wiederansiedlung nach über 100 Jahren Abwesenheit in einem Waldgebiet des Niedersächsischen Forstamtes Göhrde. Dort hat ein Fischadlerpaar auf der vor wenigen Jahren gebauten Nistplattform einer 140 Jahre alten Kiefer zwei Jungvögel aufgezogen. Die nahe gelegene Elbe und ihre Nebengewässer dienen ihnen als Nahrungsrevier.

Baumhorste oder Masthorste?

In Niedersachsen sind aktuell neun Baumhorstbruten mit 18 geschlüpften Jungvögeln bekannt. Davon sind 16 flügge geworden. Das sind 1,7 Junge pro Baumhorst. Hinzu kommen fünf Masthorstbruten mit 14 flüggen Jungvögeln. Das sind 2,8 Junge pro Masthorst und damit ein deutlich höherer Bruterfolg gegenüber den Baumbruten. Ein Vergleich der Reproduktionsraten von Baumbrütern mit Mastbrütern in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg in den Jahren 1972-1993 ergab, dass bei Baumbrütern 29 % der begonnenen Brut komplett verloren gingen, bei Mastbrütern hingegen nur 18 %. Auch die Zahl der flüggen Jungvögel war bei Baumbrütern mit 1,32 Jungen pro Horst deutlich geringer als bei Mastbrütern mit 1,65 Jungen pro Horst (vgl. Meyburg et al. 1995).
Als Grund für die niedrigere Reproduktionsrate bei Baumbruten wird die geringere Standfestigkeit der Bäume, das bei Stürmen starke Schwanken der Baumkrone mit der Gefahr des Gelege- und Jungenverlustes und die eher lockere Verankerung des Nistmaterials in der Baumkrone genannt, wodurch die Absturzgefahr erhöht ist. Masthorste dagegen gewähren eine stabilere Befestigung des Nistmaterials.
Vor allem aber wird der höhere Prädatorendruck bei Baumbrütern für den geringeren Bruterfolg verantwortlich gemacht. Dazu gehören Habicht, Uhu, Seeadler, Kolkrabe, Krähe, Waschbär und Baummarder. Eigene Beobachtungen bestätigen den Habicht als Hauptprädator, aber auch den Seeadler als Revierrivalen und Kolkraben im Verbund als Gelegeräuber. Waschbär und Baummarder kann man mit Kunststoffmanschetten in Verbindung mit dem Entfernen nahe stehender Bäume abwehren. Die geringere Reproduktionsrate bei Baumbrütern im Vergleich zu Mastbrütern wird daher oft als Argument für die Bevorzugung von Nisthilfen auf Strommasten herangezogen.
Die fünf diesjährig besetzten niedersächsischen Masthorste, zwei am Dümmer See, zwei im Bereich Steinhuder Meer und einer an den Libenauer Gruben/Weser, ersetzen in ohnehin waldarmen Gebieten den Mangel an Horstbäumen und tragen mit 14 flüggen Jungvögeln wesentlich zur Bestandserhöhung bei.
Alle Fischadler in Niedersachsen brüteten 2014 auf künstlichen Plattformen, nachdem Ansiedlungen auf Naturhorsten nach ein bis drei Jahren durch Horstabsturz scheiterten. Die Ideallösung wäre eine Waldbewirtschaftung unter Schonung und Förderung von Baumriesen als Habitatbäumen. Es brauchen nur einzelne Bäume zu sein, die die üblichen Umtriebszeiten überdauern, ihr natürliches Höchstalter erreichen dürfen und den umgebenden Bestand überragen. Dabei sollte der Bau von Kunsthorsten nur eine Übergangsmaßnahme sein, bis die typischen „Fischadlerbäume“ in genügender Anzahl und Verbreitung durch die Forstwirtschaft herangepflegt sind.

Eckehard Bühring
Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz in Niedersachsen

Meyburg, B.-U., O. Manowsky & C. Meyburg (1995): Bruterfolg von auf Bäumen bzw. Gittermasten brütenden Fischadlern (Pandion haliaetus) in Deutschland. Vogelwelt 116: 219-224.

Der Schwarzstorch in Niedersachsen – der Rückgang des schillernden Waldbewohners

„Erfreuliche Nachrichten vom Schwarzstorch aus Niedersachsen, die Anzahl der Brutpaare nimmt weiter zu, die Art breitet sich weiter aus und die Art wurde im Bestand möglicherweise unterschätzt…“ (Quellen: diverse DPA- und Presse-Meldungen im Juni 2015).
Diese Aussagen hätte man vor einigen Jahren für Niedersachsen möglicherweise noch gutgläubig, euphorisch und bedenkenlos unterschrieben, aber inzwischen muss man sie deutlich relativieren: der Schwarzstorch ist wieder eine auffallend seltene Brutvogelart in Niedersachsen geworden, deren Erhaltungszustand deutlich innerhalb der nördlichen und südlichen Landesteile schwankt. Daher verdient jedes aktuelle niedersächsische Brutrevier in gleichen Maßen intensive Beachtung, Betreuung und Schutz.
Wann und warum kam es zu dem „Rückgang des schillernden Waldbewohners“? Die Antwort liefert zunächst die Datenlage der vergangenen 20 Jahre in Niedersachsen. Während der Schwarzstorch erst seit Mitte der 80er Jahre wieder den südlichen Teil Niedersachsens, die Mittelgebirge und das Weser-Leinebergland, langsam besiedelt hat, gab es etwa 30 Jahre zuvor nur ein kleines isoliertes Brutareal im nördlichen Teil Niedersachsens, in der Lüneburger Heide. In den 1950er und 1960er Jahren war der Bestand auf wenige Brutpaare in der Südheide und vereinzelte Bruten im Landkreis Rotenburg/Wümme isoliert. Seit den 1990er Jahren nahm die Art stetig zu und um die Jahrtausendwende gab es einen Brutbestand von knapp 45 Paaren im Bereich nördlich des Mittellandkanals. Anschließend machte sich in den letzten Jahren wieder ein deutlich spürbarer Bestandsrückgang in Niedersachsen bemerkbar und ein deutliches Süd-Nord-Gefälle wurde bis zum Jahr 2018 auffällig. Von dieser Negativentwicklung ist vor allem der einstige Verbreitungsschwerpunkt in den nördlichen Bereichen des Bundeslandes betroffen, während die Bestandszahlen im Harz und im Weser-Leinebergland kontinuierlich leicht anstiegen und erst in den letzten Jahren stagnierten. Von 61 Brutpaaren im Jahr 2000 stieg der Bestand zunächst bis auf maximal 80 besetzte Nester im Jahr 2009 an. Danach stagnierte der Brutbestand bei etwa 70 Brutpaaren bis 2014 und nimmt seitdem schleichend aber deutlich ab und 2018 wurden nur noch 44 Brutpaare in Niedersachsen gezählt. Die aktuell bekannten Brutreviere verteilen sich auf die Lüneburger Heide und die Stader Geest (10 BP), das Elbe-Einzugsgebiet (6 BP), das Weser-Aller-Flachland (5 BP), die Börden und das Harzvorland (5 BP), das Weser-Leinbergland (11 BP) und den Harz (7 BP). Hinzu kommen einige sichere Revierpaare, von denen die aktuellen Nester derzeit nicht bekannt sind, vor allem im Harz und im Weser-Leinebergland. Hierbei gibt es nur ein Nest, im Landkreis Göttingen, welches in den vergangenen 20 Jahren ununterbrochen erfolgreich besetzt war. Die meisten traditionellen, zuvor Jahrzehnte besetzten Brutplätze in der Lüneburger Heide (ein Brutplatz im Landkreis Celle war bis 2014 über 30 Jahre besetzt) sind inzwischen leider verwaist. Weitere langjährig genutzte Brutplätze existieren zudem in den relativ ruhigen Hangwäldern des Harzes und Sollings.

Bestandsentwicklung NDS
Brutbestandsentwicklung des
Schwarzstorches in Niedersachsen 2000–2018

Die Arbeitsgruppe Schwarzstorchschutz Niedersachsen arbeitet ehrenamtlich im Auftrag der Staatlichen Vogelschutzwarte im NLWKN. Derzeit sind neun BetreuerInnen im Einsatz.

Die Gründe für die langfristigen Brutplatz- und Revieraufgaben bzw. großräumigen Umsiedlungen, die vor allem die Lüneburger Heide und das nördliche Niedersachsen betreffen, wo zwischen 2009 und 2018 etwa 25 Reviere aufgegeben wurden, sind vielfältig. Fünfmal spielten Ansiedlungen des Seeadlers im Umkreis von 500 - 3.000 m wohl eine entscheidende Rolle und auch ein direkter Eingriff von Seeadlern an Schwarzstorchnestern wurde dokumentiert. Der Waschbär war mindestens neunmal als Prädator von Jungstörchen nachweisbar, ebenso viermal der Uhu. Zudem kommen seltener Forstarbeiten bzw. andere menschliche Störungen als Gründe für Revieraufgaben dazu, oftmals in Verbindung mit vorangegangenen Stürmen und daraus resultierenden Nestabstürzen.

Um dem Schwarzstorch sichere Brutstandorte zu bieten und z. B. Horstabstürzen vorzubeugen, gibt es in Niedersachsen seit Anfang der 1960er Jahre das bis heute laufende „Kunsthorstprogramm“ für den Schwarzstorch, welches von Alfred Nottorf initiiert wurde. Zwischen den Jahren 2000 und 2018 fanden in Niedersachsen fast 500 Bruten auf solchen Nistplattformen statt. 2018 fanden 45 % aller Bruten in Niedersachsen auf Kunsthorsten statt, welche nach wie vor zum Ziel haben, Schwarzstörche in ruhigen Waldbereichen anzusiedeln, abgestürzte Nester neu zu errichten bzw. absturzsicherer Brutplätze abzusichern oder Ausweichnester im Fall wiederholter Störungen anzubieten. Kunsthorste sollten dennoch auf lange Sicht keinen dauerhaften Ersatz für fehlende geeignete Bäume und Lebensraumbedingungen in den Wäldern darstellen. Während die Kiefer noch bis Ende der 1990er Jahre als Nestbaum dominierte, ist inzwischen die Buche - als Charakterbaum in den unteren Hanglagen der Mittelgebirge und des Weser-Leine-Berglandes - der am häufigsten genutzte Brutbaum des Schwarzstorches in Niedersachsen. 2018 befanden sich 20 Brutplätze auf Buchen, 18 auf Eichen, weitere fünf Nester wurden auf Kiefern errichtet und eines auf einer Fichte.

Schwarzstorch NI Nest
Langjährig genutztes Schwarzstorchnest im Solling, Weser-Leinebergland, Landkreis Northeim. Dieses Nest wurde inzwischen abgestützt, um es vor einem Absturz zu bewahren und 2018 flogen vier Jungvögel aus (Foto: Arne Torkler)

In den Jahren 2013 und 2014 wurden von Carsten Rohde im Rahmen des Beringungsprojektes in Deutschland insgesamt 32 Jungstörche in 13 Nestern in Niedersachsen beringt. Dabei ergaben sich, abgesehen von diversen Ringablesungen zu den Zugzeiten und in den Überwinterungsgebieten, auch zwei Wiederfunde in niedersächsischen Brutgebieten. 2017 war ein Schwarzstorch aus dem Weser-Aller-Flachland Brutvogel im Solling, Landkreis Northeim (beringt 2013 bei Wolfsburg, Distanz ca. 135 km) und 2018 wurde ein zuvor in Niedersachsen beringter Schwarzstorch als Brutvogel bei Hildesheim (beringt im Harz bei Osterode 2014, Distanz ca. 45 km) abgelesen. Diese Ergebnisse untermauern, dass zumindest ein Teil der Jungstörche nach einigen Jahren in die Umgebung der Brutplätze zurückkehrt und hier neue Brutplätze findet. Umso wichtiger ist es, den Bestand und die Brutplätze weiter erfolgreich zu erhalten und so den Weg für erfolgreiche Bruten zu ebnen, damit es auch noch in vielen Jahren heißt: „der Schwarzstorch ist und bleibt ein schillernder, heimlicher Waldbewohner und ein Charaktervogel in naturnahen, störungsarmen und größtenteils unbeeinflussten Wäldern in Niedersachsen“.

Arne Torkler
AG Schwarzstorchschutz Niedersachsen
Dahlgrund 16c
29223 Celle
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