Beobachtungsstationen

Seeadler
Ein schöner Anblick und das Ergebnis eines
konsequenten Schutzprogrammes.

Hinweis:

Aus aktuellem Anlass sind die öffentlichen Beobachtungsstationen in 2021 nicht besetzt!


Die Vor-Ort-Betreuung wird in diesem Jahr durch lokale Seeadlerschützer wahrgenommen.

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Unsere öffentlichen Beobachtungsstationen sind jedes Jahr von März bis Juli durchgehend geöffnet. Die Beobachtungsstationen ermöglichen es Ihnen, durch leistungstarke Spektive, unserem stolzen Wappenvogel in die Kinderstube zu schauen.

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Die Seeadler in Barsbek sind 2018 umgezogen. Es gibt deshalb zur Zeit keine öffentliche Seeadler-Beobachtungsstation in Barsbek.

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Jedes Jahr werden die Stationen von mehreren tausend Besuchern frequentiert. Viele Besucher kommen regelmäßig und seit mehreren Jahren, um zu sehen, was "ihr" Adler in diesem Jahr so macht. Und viele Besucher, die das erste Mal in ihrem Leben einen Seeadler - sozusagen - von Angesicht zu Angesicht sehen, sind und bleiben tief beeindruckt. Manche werden von der Begeisterung so mitgerissen, dass sie beschließen, dass sie auch ein oder zwei Wochen als Bewacher agieren möchten. Wir freuen uns über jeden Besucher...

Aber das war nicht immer so:
Vor nicht allzu langer Zeit, wurden sämtliche Seeadlerhorste in Schleswig-Holstein geheim gehalten. Kaum einer kannte die Standorte. Kaum einer wusste, dass es überhaupt noch Seeadler in Schleswig-Holstein gab. Von einer Population war kaum noch die Rede (s. Bestandsentwicklung). Die damalige Seeadlerbewachung glich einer Agentenmission: Stacheldrahte wurden gezogen und Wohnwagen grün angestrichen. Die Bewacher schliefen teilweise in Schlafsäcken irgendwo unterm Horstbaum, nur um zu verhindern, dass die Vögel oder die Eier gestohlen wurden. Der Schwarzmarkwert eines Seeadlereies belief sich auf 10.000 DM! Ein lebender Jungvogel brachte sogar noch mehr ein...

Dank der vielen ehrenamtlichen Helfer und strengster Sicherheitsvorkehrungen, gehören diese Bilder der Vergangenheit an. Unser Seeadlerbestand hat sich soweit erholt, dass wir heute dazu in der Lage sind, Beobachtungsstationen zu betreiben!!!

Aufruf zur Mitarbeit

Wenn Sie in der nächsten Brutsaison (wieder) als freiwilliger Betreuer für mindestens eine Woche in einem Seeadlerrevier eingesetzt werden möchten, dann melden Sie sich bitte bis spätestens Mitte Februar schriftlich mit Zeit- und Ortswünschen bei


Volker Latendorf,
Projekgruppe Seeadlerschutz,
Kreuzfelder Weg 1,
D-23701 Eutin-Neudorf,

an.

Erlebnisbericht

Ehrenamtlicher Einsatz am Seeadlerhorst bei Barsbek/PLÖ

Keine besonderen Vorkommnisse, alle Schützlinge wohlauf. Mit dieser beruhigenden Bilanz haben Robert Ehrenhart und Karlheinz Huth ihre Wachstation an der Ostseeküste geräumt und sind nach Karlstein heimgekehrt. Eine Woche lang haben die beiden Naturschützer bei Barsbek/PLÖ an der Kieler Außenförde einen Seeadlerhorst bewacht. Für Ehrenhart (70) war es der 20igste und für Huth (66) der 13te Einsatz dieser Art. Ans Aufhören denken die beiden nicht – nicht jetzt, wo die majestätischen Greifvögel sich endlich wieder in Deutschland ausbreiten und ihre ehemaligen Brutgebiete zurückerobern.

Barsbek_1_2013k

Das gut zweieinhalb Meter breite, inzwischen sicherlich über hundert Kilo schwere Seeadlernest, das von dem fest ansässigen Adlerpaar jedes Jahr mit neuen Ästen verstärkt und ausgebaut wird, sitzt in einem Pappelgehölz inmitten einer weiträumigen Wiesenlandschaft am Barsbeker See.
Nicht nur potenzielle Eierdiebe, sondern auch allzu aufdringliche Naturfreunde und gedankenlose Zeitgenossen halten die Seeadlerwächter rund um die Uhr von ihren Schützlingen fern. Doch Ehrenhart und Huth haben noch weitere Aufgaben: minutengenaue Verhaltensbeobachtungen an den Seeadlern und ihren Jungen. Wer von den beiden gerade im Wachwagen sitzt, dokumentiert täglich alle Viertelstunde den Status: „Altvogel am Horst, Jungvogel macht Flugversuche, Altvogel kommt mit beute“ und so weiter. Die Daten werden später von der Projektgruppe Seeadlerschutz ausgewertet.
Darüber hinaus stellen sich im Tagesdurchschnitt bis zu 25 Besucher ein – oft weitgereiste Urlauber, Naturfreunde, interessierte Familien oder Leute aus dem Dorf, die nach „ihren“ Adler sehen wollen. Ihnen stehen an der öffentlichen Beobachtungsstation zwei fest montierte Fernrohre zur Verfügung, ebenso wie die Kompetenz der beiden ehrenamtlichen Helfer.
„ Als ich mich vor 20 Jahren bei der Seeadlerbewachung beworben habe, musste ich alle meine Naturkenntnisse nachweisen“, erinnert sich Ehrenhart. Adressat der Bewerbung war damals der World Wildlife Fund (WWF). In WWF-Diensten wachte Ehrenhart zuerst in Mecklenburg-Vorpommern und später zusammen mit Karlheinz Huth am Ratzeburger See in Schleswig-Holstein.
Der Seeadlerhorst in Barsbek eignet sich nach den Worten von Huth wegen seiner - für Seeadler durchaus ungewöhnlichen - Lage besonders gut zum Beobachten. Die Beobachtungsstation in Barsbek steht etwa 400 m vom Horst entfernt, so dass auch für Besucher Verhaltensbeobachungen an den Seeadlern möglich sind, ohne die Vögel beim Brutgeschäft zu stören. Zudem dienen der Barsbeker See und die angrenzenden Lagunen der Ostseeküste als fischreiche Nahrungsgründe für die Seeadler.

Karlstein/Barsbek 1/2013

 

Schutz und Bewachung

Seeadlerschutz rund um die Uhr

Landrover der Projektgruppe
Volker Latendorf beim Aufstellen eines Wohnwagens

Im Januar gehen bei der Projektgruppe Seeadlerschutz die Bewerbungen der freiwilligen Helfer für die Seeadlerbewachung ein. Sobald entschieden ist, in welchen Seeadlerrevieren wir unsere Beobachtungsstationen in diesem Jahr aufbauen, werden die Helfer auf die einzelnen Standorte verteilt. Im Februar werden von mir die Wohnwagen rausgefahren und die Beobachtungsstationen wetterfest und sturmsicher aufgebaut. Ende Februar und Anfang März bezieht dann die „erste Schicht“ an freiwilligen Helfern, die aus dem ganzen Bundesgebiet kommen, die Seeadler-Beobachtungsstationen an insgesamt sieben Standorten. Der Einsatz vor Ort dauert in der Regel von Samstag bis Samstag. Jede Betreuermannschaft erhält von mir ein technische und fachliche Einweisung.

Am 6. April 2004 starte ich um 8.30 Uhr mit einer Routinefahrt zu den Seeadler-Beobachtungsstationen. Auf dem Plan stehen heute vier der insgesamt sieben Standorte. Anschließend will ich noch kurz ins Büro im Forstamt Eutin, um die Post zu erledigen. Da die Zuwegungen zu den Seeadler-Beobachtungsstationen sehr schlecht sind, nehme ich einige Trinkwasserkanister mit. Unsere Helfer, die sich sonst vor Ort selbst versorgen, hatten bei dem regnerischen Wetter und den matschigen Waldwegen Anfahrtsschwierigkeiten mit ihren Pkws gehabt. An der ersten Station im Revier Bothkamp ist alles in Ordnung und die Helfer sind in guter Stimmung. Die beiden sind „alte Hasen" und im Seeadlerschutz sehr erfahren. Sie haben eine erfreuliche Mitteilung für mich, denn sie berichten, dass gestern die jungen Seeadler geschlüpft sind Das ist ein Grund, um darauf anzustoßen - mit Tee natürlich. Da ich als hauptamtlicher Mitarbeiter der Projektgruppe Seeadlerschutz in der Seeadlerbrutsaison etwa 1.000 km pro Woche in Schleswig-Holstein mit dem Dienstwagen unterwegs bin, ist das eine Selbstverständlichkeit. Mitten in unsere kleine Feier platzt ein Anruf hinein: Ein Landwirt aus der Nähe von Oldenburg informiert mich darüber, dass er einen Seeadler unter einer Windkraftanlage aufgegriffen hat. Der Adler ist verletzt, würde aber noch leben und seine Frage lautet: „Wie soll es jetzt weitergehen?“. Ich mache mich sogleich auf den Weg, um den verletzten Seeadler abzuholen. Nach knapp einer Stunde Fahrtzeit biege ich bei ihm auf den Hof ein und nehme den Adler in Empfang. Der Landwirt hat den Vogel in eine Art Teppich eingewickelt. Der Adler wirkt apathisch und hat eine blutige Verletzung am Kopf und rechten Auge. Außerdem steht der Vogel unter Schock. Auf Grund der Farbringe an den Füssen, kann ich die Herkunft und das Alter des Seeadlers bestimmen. Er wurde von der Projektgruppe Seeadlerschutz im Jahr 2002 als Jungvogel am Westensee beringt. Der Seeadler wird in eine groß Transportkiste umgeladen und schon geht die Reise weiter. Ich fahre ihn zur Vogelpflegestation in den Wildpark Eekholt bei Großenaspe.
Die Ankunft des „Patienten" habe ich bereits telefonisch angemeldet.
Gegen 15 Uhr treffe ich dort ein und die medizinische Erstbehandlung wird von einer Tiermedizinerin übernommen.

Schildermontage im Wald
Montieren
eines neues Wegesperrschildes

Ich setze meine Tour zu den anderen Beobachtungsstationen fort. Als nächstes besuche ich die Station im Revier Ahrensbök. In dem Gespräch mit den Seeadlerschützern vor Ort und nach Durchsicht der Beobachtungsprotokolle wird schnell deutlich, dass es hier in diesem Jahr keinen Bruterfolg geben wird. Das Verhalten der Seeadler zeigt, dass sich der Verdacht aus der letzten Woche bestätigt: die Seeadler haben ihre Brut aus unbekannten Gründen aufgegeben! Die Beobachtungen der Helfer geben diesmal keinen sicheren Anhaltspunkt auf eine mögliche Ursache. Die beiden Seeadlerschützer bleiben bis Ende der Woche vor Ort und eventuell wird es eine kurzfristig anberaumte Kontrollbesteigung des Horstbaumes geben, die weitere Hinweise erbringen könnte. Dies muss ich mit meinen Kollegen noch abklären.

Gegen 18 Uhr erreiche ich die dritte Beobachtungsstation für heute. Sie liegt in einem Wald am Hemmelsdorfer See. Am Waldrand montiere ich noch schnell ein neues Wegesperrschild, das alte ist verschwunden.

Die beiden Helfer haben seit ihrem Einsatzbeginn bereits zwei kleinere Störungen der brütenden Seeadler durch unbedacht handelnde Mitmenschen verhindern können und zudem eine massive Störung durch einen Hubschrauberüberflug „in Wipfelhöhe“ protokolliert. Der Hubschrauberüberflug muss von der Projektgruppe weiter verfolgt werden. Ich notiere die Angaben der Helfer, um mögliche Schritte durch die Projektgruppe in die Wege zu leiten. Die vierte Station bleibt für heute „auf der Strecke“, ebenso wie der Bürotermin, aber morgen ist ja auch noch ein Tag...

Ach ja, der verletzte Seeadler musste ins Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin eingeliefert werden. Die Kopf- und Augenverletzung erwiesen sich letztendlich als schwerwiegend und irreparabel, so dass der Vogel von einer Tierärztin eingeschläfert werden musste. Aber zum Glück sind unsere Anstrengungen zur Rettung von verletzten Seeadlern in der Regel von Erfolg gekrönt. Wenn ich dann sehe, wie ein ehemals kranker oder verletzter Seeadler wieder ausgewildert wird, freue ich mich, denn dann hat sich der Aufwand und mein Arbeitseinsatz auf jeden Fall gelohnt.

Volker Latendorf